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Entwicklung Verbreitung Körperbau Fortpflanzung Lebensweise Bekämpfung


Ein paar allgemeine Definitionen zu den kleinen Tierchen:

Blátta, f., lat. blatta ein stinkendes Insekt, eine Schabe (bei Plinius);
Gen. der Bláttidae, Schaben, Kakerlaken.
Spec.: B. orientális, Brot- oder Küchenschabe.
blattarius,-a,-um, lat., zur Schabe gehörig;
Spec.: Gragarina blattarum (im Darm von Küchenschaben vorkommend).Spec.: B. germanica, Deutsche Schabe.

Blattélla, f., Dim. von Blátta, s.d.;
Gen. der Pseudomópidae, Ordo Blattoidea, Schaben.
Nyctíbora, f., gr. he nyx, nyktós, die Nacht,
ho borós Fresser, also: Nachtfresser;
Gen. der Nyctibóridae, Ordo Blattoidea, Schaben.
Spec.: N. seícea, Ägyptischer Weissrand (Kakerlak).

Periplanéta, f., gr. periplanásthai umherschweifen, peri-
ringsum, planétes herumschweifend;
Gen. der Bláttidae.
Spec.: P. americana, Amerikanischer Kakerlak, Amerikan. Schabe;
P. australisiae, Australische Schabe, Südliche Grasschabe. Spec.: P. surinamensis, Surinamschabe, Gewächshausschabe.

Phyllodrómia, f., gr. ho dromeus der Läufer;
Gen. der Bláttidae, Schaben.
Spec.: Ph. (= Blatella) germanica, Deutsche Schabe.
Pseudomops, f., gr. he ópsis das Auge;
Gen. der Nyctibóridae, Ordo Blattodea, Schaben.
Spec.: P. oblongata, Schwarzmond-Schabe (nach einem dunklen,
mondförmigen Fleck auf dem Bruststück), Amerikanische längliche Schabe.
Pycnóscelus, m., gr. pyknós dick, to skélos
der Schenkel, das Bein, also: Dickbein;
Gen. der Blasbéridae.









 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

  Und hier weitere Informationen zu den Tierchen:

 

Entwicklung

Die Ordnung der Blattoptera (Blattodea, Schaben) gehören zu den ältesten und primitivsten Insektenordnungen der geflügelten Insekten (Pterygota). Sie waren bereits im Oberen Karbon (vor 250-350 Mio Jahren) in grosser Artenfülle weit verbereitet und zeigten schon damals alle charakteristischen Merkmale der Ordnung. Vermutlich haben sie sich aus den im Unteren Karbon lebenden Protoptera, wahrscheinlich über die Protoblattoidea, entwickelt. Die ungewöhnlich zahlreichen Funde von sehr vielen und mannigfaltigen Arten aus dem Paläozoikum lassen uns vermuten, dass die Blattoptera bereits am Ausgang des Karbons und im Perm ihren Entwicklungshöhepunkt erreichten und seitdem im Rückgang begriffen sind. Bei keiner anderen Insektenordnung kann der Werdegang auch nur annähernd so gut durch Beweisstücke belegt werden. Trotzdem bleiben auch hier Lücken, denn von den äteren Fossilien sind es fast nur die Flügel, die Aussagen ermöglichen. Erst aus dem Tertiär liegen in den Bernsteineinschlüssen vollständige Tiere vor. Diese beweisen, dass alle damaligen Formen zu den noch heute bestehenden Familien und zum Teil sogar Gattungen zu zählen sind.

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Verbreitung

Gegenwärtig kennen wir ca. 3.800 Schabenarten, überwiegend Bodentiere, die grösstenteils in den waldreichen, tropischen Zonen der Erde beheimatet sind. Das weitaus artenreichste Gebiet ist Südamerika, in dem auch mehrere endemische (=nur in diesem Gebiet verbreitete) Gruppen vorkommen. Schon in den trockenen subtropischen Gebieten geht die Artenvielfalt stark zurück, und die gemässigten und nördlichen Zonen sind ausgesprochen arm an Schaben. Beispielsweise gibt es in Mitteleuropa nur zehn freilebende Arten. Hierzu kommen allerdings noch einige weltweit verbreitete Arten, die sich dem Leben in menschlichen Wohnungen angepasst haben und so auch in Gebiete vorgedrungen sind, in denen sie freilebend schon im ersten Winter zugrunde gehen würden (z.B. Blatta orientalis, Periplaneta, Blattella und Supella). An diesen Vertretern wurden viele Untersuchungen und Beobachtungen über allgemeine biologische Fragen vorgenommen, so dass sich ein grosser Teil unseres heutigen Wissens über Schaben auf diese Arten stützt.
Ganz allgemein ist die ökologische Anpassungfähigkeit der Schaben gering, weshalb wir die meisten Arten nur in engbegrenzten Biotopen finden. Allerdings gibt es einerseits extrem feuchtigkeitsliebende Arten, die an nassen Ufern der Gewässern oder sogar zeitweilig in flachem Wasser leben und selbst in tieferes Wasser flüchten (z.B. mehrere Epilamprinae-Arten), und andererseits Wüstenbewohner (z.B. Polyphaga), deren Weibchen flügellos und durch eine dicke Cutucula (dünnes Häutchen über der der äusseren Zellschicht) vor Austrocknung gut geschützt sind.

Auf einige Vertreter der Blattidae und Blattellidae soll nachfolgend näher eingegangen werden:

Familie Blattidae

Die Blattiden, meist mittelgrosse, dunkel gefärbte Tiere, sind voll geflügelt bis flügellos. Sie bewohnen alle wärmeren Gebiete, doch wurden einige, zum Beispiel die Küchenschabe (Blatta orientalis), auch Kakerlak genannt, und die Amerikanische Grossschabe (Periplaneta americana), durch den Menschen weltweit verschleppt, so dass sie heute nahezu das ganze Wohngebiet des Menschen erobert haben und heute kosmopolitisch sind. Die Küchenschabe (Blatta orientalis), die ihre Heimat anscheinend in Nordafrika hat, gelangte im 17. und 18. Jhd. über das südöstliche Europa nach Nordeuropa.
Man bezeichnet diese beiden Arten (Küchenschabe, Blatta orientalis) und die Amerikanische Gross-Schabe (Periplaneta americana) auch als Hausschaben. Bei Massenauftreten können die H. lästig werden. Schaben fühlen sich überall dort wohl, wo die Wohnraumtemperaturen auch in der kältesten Jahreszeit eine Mindest-Temp. nicht unterschreiten. Diese beiden grossen synanthropen Schabenarten lassen sich als Imagines auf den ersten Blick auseinanderhalten. Während nämlich bei der rot-braunen, etwa 23 bis 32 mm langen Amerikanischen Grossschabe die Flügel stets den Hinterleib etwas überragen, bedecken die Flügel der kastanien- bis schwarzbraunen Küchenschabe (Blatta orientalis), die etwa 19 bis 25 mm gross wird, im männlichen Geschlecht nur zwei Drittel des Hinterleibes, und die Weibchen besitzen nur kleine, lappenförmige Flügelreste. Die Amerikanische Grossschabe wird immer wieder mit Schiffen und anderen Transporten aus den Tropen und Subtropen neu zu uns eingeführt, so dass sie besonders in den Hafenstädten, aber auch allen anderen grossen Städten ständig gefunden werden kann. Wir treffen sie bevorzugt in grossen Lagerhallen, Speichern, Treibhäusern, Bäckereien und anderen wärmeregulierten Räumen, in denen diese Allesfresser irgendeine Nahrung vorfinden. Da sie aber auch junge, lebende Pflanzengewebe als Nahrung aufnehmen, werden die Tiere in Gewächshäusern durch Benagen wertvoller Pflanzen hin und wieder schädlich.

Familie Blattellidae

Eine ebenfalls in menschlichen Lebensstätten auftretende Art, die in Mitteleuropa noch überall vorkommt, ist die weltweit verbreitete Deutsche Schabe (Blattella germanica [o. Blattella adolfia]). Wie alle Angehörigen dieser Familie sind die Deutschen Schaben kleinere Tiere von 11 bis 13 mm Länge. Ihr ovaler, gelbbrauner, stets vollgeflügelter Körper ist besonders durch die beiden dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild gekennzeichnet, wodurch ein heller Mittelstreifen auffallend hervortritt. Diese vermutlich aus Afrika stammende Art kann überall auftreten, wo es ständig warm ist. Backstuben, Grossküchen, Lagerräume, aber auch Krankenhäuser gehören zu ihren bevorzugten Aufenthaltsorten.
Alle in Mitteleuropa freilebenden Schaben gehören zur Unterfamilie der Ectobiinae. Einer der bekanntesten Vertreter ist die Gemeine Waldschabe, auch Tarakan genannt (Ectobius lapponicus). Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Spanien bis Sibirien und von Italien bis zum Nordkap. Die schmutziggelblichen, 6 bis 13 mm langen, geflügelten Tierchen leben hauptsächlich an Waldrändern, in lichten Wädern oder in Nadelholzheiden. Dort halten sich die Männchen in unseren Breiten von Mai bis September besonders an Sträuchern, Farnen, Heidekraut, aber auch an Gräsern und anderen Pflanzen auf, während die Weibchen mehr am Boden zwischen Fallaub und an niedrigen Pflanzen zu finden sind. Im Gegensatz zu den meisten Schaben ist diese Art tagaktiv. Sie vermag 100 und mehr Meter in 4 bis 6 m Höhe ruhig fliegend zurückzulegen. Die Weibchen können sogar 3 cm hoch springen. Den Winter überdauern sie in unseren Breiten als Larven unter Moos, Laub usw. im Boden.
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Körperbau

Es wird angenommen, dass Kakerlaken viele Merkmale besitzen, die ein ¨ursprüngliches¨ Insekt zeigen sollte: Beissend-kauende Mundwerkzeuge, gleichartige Laufbeine und einen kaum verstärkten Thorax, der nicht gut für das Fliegen eingerichtet ist. Alle Schaben haben einen mehr oder weniger abgeflachten und im Umriss ovalen Körper. Hierdurch können sich die überwiegend nachtaktiven Tiere tagsüber in engste dunkle Verstecke zwängen und verborgen halten. Ihre Grösse liegt zwischen 2 mm (z.B. Attaphila fungicola) und 10 cm (z.B. die mittelamerikanische Megaloblatta blaberoides), doch überwiegen die mittelgrossen Formen. Manche Arten haben einen etwas höher gewölbten, asselähnlichen und derb sklerotisierten Körper, der vor allem bei den Weibchen oft flügellos ist. Diese können sich keilartig auch unter Steine und zwischen harte Gegenstände schieben. Darüber hinaus sind die ungeflügelten Weibchen vieler Arten in der Lage, sich zu einer allseitig gepanzerten Kugel zusammenzurollen, wodurch sie vor manchen Feinden geschützt sind (z.B. Pseudoglomeris). Im allgemeinen weisen die Schaben eine überwiegend einförmig bräunliche bis schwarze Färbung auf, doch gibt es mehrere Gruppen, die sehr auffallend prächtig gefärbt sind, zum Beispiel die südamerikanische Paratropes elegans und Eustegasta buprestoides aus dem tropischen Afrika. Einige Arten haben in Färbung und Körpergestalt überraschende Ähnlichkeit mit einigen Schild-, Blatt-, oder auch Blatthornkäfern erlangt, wie Prosoplecta nigroplagiata von den Philippinen.
Ihr frei beweglicher Kopf ist im Umriss mehr oder weniger abgerundet dreieckig und wird grösstenteils oder völlig vom grossen, scheibenförmigen Halsschild verdeckt. Seitlich liegen die meist grossen, nierenförmigen Komplexaugen, haben aber nur eine beschränkte Zahl von Ommatidien (=Einzelaugen eines Facettenauges) und somit nur ein geringes Auflösungsvermögen und sind für das Dunkelsehen eingerichtet. Auf der Sirn zwischen den Augen stehen die beiden meist körperlangen, borstenförmigen, dünnen Fühler, die aus einer grossen Zahl kleiner Fühlerglieder bestehen. Bisweilen bleiben die Fühler kürzer als der Körper, doch erreichen sie bei manchen Höhlenbewohnern (z.B. die ostafrikanische Alluaudellina cavernicola) die mehrfache Körperlänge. In der Regel befinden sich oberhalb der Fühlereinlendung zwischen den Komplexaugen zwei Ocellen, die aber manchmal nur als andersgefärbte Flecke erkennbar sind.
Die drei ungleichartigen Brustabschnitte haben eine gewisse Beweglichkeit gegeneinander bewahrt. Der kleinste, die Vorderbrust, erscheint, oberflächlich betrachtet, wegen der sehr grossen, schildartigen Entwicklung des Halsschildes als gewaltigster Brustteil. Das breite, scheibenförmige Pronotum hat einen dreieckigen, rhombischen oder trapezförmigen Umriss, wobei die Ecken abgerundet sind. In der Regel tragen die Mittel- und die Hinterbrust je ein Flügelpaar. Dann ist stets die Hinterbrust grösser als die Mittelbrust. Sind jedoch die Flügel kurz, schuppenförmig oder völlig zurückgebildet, was sehr häufig bei den Weibchen der Fall ist, so weisen die beiden Flügelbrustabschnitte etwa die gleiche Grösse auf. Die Vorderfluügel bilden normalerweise derbe, lederartige, aber deutlich geaderte Deckflügel. In Ruhe werden sie flach, etwas überlappend auf den Hinterleib gelegt und überdecken dann die membranösen, fächerartig zusammengefalteten und normalerweise grösseren Hinterflügel.
Auf der Unterseite der Brust fallen sofort die mächtig entwickelten, abgeflachten Hüften auf, die alle nach hinten gerichtet und in der Mittellinie einander stark genähert sind. Es handelt sich um sogenannte Spalthüften, das heisst, an ihrer Hinterseite ziehen sich basale, durch eine deutliche Naht abgegrenzte Teile (das Meron) fast bis zum Schenkelring (Trochanter) hinab, wodurch die Hüfte durch die abgrenzende Längsnaht (Meralnaht) gespalten erscheint. Die Beine sind stets einfache, fast immer ziemlich lange Laufbeine, von denen das hinterste am längsten ist. Die stark bedornten Schienen tragen immer fünfgliedrige, mit Haftlappen ausgestattete Füsse, deren letztes Glied mit zwei Krallen versehen ist.
Der Hinterleib schliesst sich mit gleicher Breite an den letzten Brustabschnitt an, ist aber nur wenig gegen ihn beweglich. Er besteht aus zehn deutlichen Segmenten, von denen der Bauchschild des ersten immer kleiner ist. An den Seiten greifen die Rückenschilde des achten und neunten Segments ineinander und bilden gewöhnlich nur schmale Spangen. Der zehnte Rückenschild überdeckt als grosse Supraanalplatte den After. Unter ihr ragen die beiden kurzen, gedrungenen Cerci (Afterfühler), die Anhänge des rudimentären elften Segments, hervor. Sie bestehen aus ungefähr 8 bis 15 Gliedern und stellen hochepfindliche Sinnesorgane dar, die den Tieren beim Rückwärtslaufen und in engen Verstecken als hintere Fühler dienen. Bei den Männchen der Blattellidae und Ectobiinae finden sich auf dem siebenten oder dem siebenten und achten Hinterleibsrückenschild verschiedenartige, aber artspezifisch gestaltete Gruben, Vertiefungen oder Taschen. Es sind Ausmündungsstellen von Duftdrüsen, deren Sekrete in der Fortpflanzungsbiologie eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus gibt es mehrere Wehr-, Stink-, und andere Drüsen, die am Hinterleib ausmünden. Blatta orientalis und Periplaneta americana können in beiden Geschlechtern zwischen dem fünften und sechsten Rückenschild paarige Stinkdrüsensäckchen ausstülpen, die den allgemein bekannten scharfen Geruch verbreiten.
Der letzte Bauchschild bildet die Subgenitalplatte. Beim Männchen ist dies der häufig asymmetrisch gestaltete neunte, an dessen Hinterrand meist zwei gut entwickelte Griffel (Styli) stehen. Oft ist aber nur ein Stylus vorhanden, oder auch dieser ist, wie bei den höher entwickelten Gruppen, völlig zurückgebildet. Beim Weibchen wird dagegen die Subgenitalplatte vom siebenten Bauchschild gebildet. Im einfachsten Falle ist sie hinten abgerundet (z.B. Blattellidae), bei den Blattidae jedoch in zwei gegeneinander bewegliche Valven gespalten, die dem Festhalten des Eipaketes dienen. Die unsymmetrischen männlichen Kopulationsorgane bestehen aus einem meist sehr einfach gebauten, mehr oder weniger weit vorstülpbaren Begattungsglied, auf dem die männlichen Geschlechtswege münden, und den beiden stets ungleichen, oft aussergewöhnlich stark differenzierten und sklerotisierten Parameren (spiegelbildlich gleichen Hälften). Die äusseren weiblichen Geschlechtsorgane liegen am Grunde einer Geschlechtskammer, die nach unten von der Subgenitalplatte abgeschlossen wird, tief ins Körperinnere zurückgezogen. Dort mündet am achten Bauchschild die weibliche Geschlechtsöffnung, die von den stummelförmigen, fast funktionslosen Resten einer orthopteroiden (für einen Geradflügler typischen) Legescheide umgeben wird. Es sind Rudimente von drei Paar Geschlechtsfortsätzen, die zum achten und neunten Segment gehören.

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Fortpflanzung

Bereits 10 bis 15 Tage nach der Imaginalhäutung (letzte Häutung vor dem Endstadium) erfolgt die Paarung. Die Partner finden sich hauptsächlich durch einen vom Weibchen ausgehenden Sexualduftstoff, der in den fettigen Ausscheidungen der Haut enthalten ist. Der vom Weibchen ausströmende Duft löst beim Männchen plötzlich gesteigerte Aktivität und besonders reges Antennenspiel aus, was schliesslich zur Suche nach der Duftquelle führt. Nach Auffinden der Partnerin betastet oder betrillert das Männchen sie mit den Fühlern. Oft kommt es zu regelrechtem Balzgehabe der Männchen, während sich die Weibchen weitgehend inaktiv verhalten. Schliesslich versucht das Männchen (z.B. bei Blatta orientalis) seinen Hinterleib von vorn so weit unter das Weibchen zu schieben, dass seine Hinterleibsspitze unter der weiblichen Subgenitalplatte liegt, um diesen dann plötzlich aufwärtszubiegen und seine hakenähnlichen Parameren in der Geschlechtskammmer des Weibchens zu verankern. Danach drehen sich die Partner so, dass sie mit abgewandten Köpfen in einer Linie sitzen. Erst jetzt kann das Begattungsglied eingeführt werden. Die Begattung, bei der die Spermien in einer Spermatophore (zusammenklebende Spermakapseln) übertragen werden, dauert etwa eine halbe Stunde oder länger. Beide Geschlechter sind zu mehreren Begattungen fähig.
Sieben bis zwölf Tage nach der Paarung beginnt das Weibchen mit der Eiablage und setzt sie in sechs- bis achttägigen Abständen später fort. Stets werden die Eier in Ootheken (Eipakete) eingeschlossen. Die Oothek wird in der Geschlechtstasche mit Hilfe von Sekreten der Kittdrüse gebildet. Die zunächst schaumigen, aber rasch erhärtenden Sekrete machen das Eipaket ausserordentlich widerstandsfähig sogar gegen Alkalien, Säuren und andere Chemikalien und schützen die Eier vor dem Austrocknen. Von einem Weibchen werden mehrere bis viele Ootheken erzeugt. Im Fall der Blatta orientalis kann jedes Weibchen im gesamten bis 22 Ootheken ablegen, die bis zu 16 Eier enthalten können. Bei anderen Arten enthalten die Eipakete bis zu 40 Eier. Im Fall der Amerikanischen Grossschabe befinden sich in einer Oothek 20 Eier in zwei Reihen. Die Form der Oothek ist für jede Art weitgehend typisch und ähneln einer einer flachen, kleinen Tonne; diese sind ungefähr 10 mal 5 mm gross und bräunlich rot oder schwarz. An der Seite haben diese Eibehälter eine Naht, aus der im allgemeinen nachts die jungen Larven ausschlüpfen.
Meist tragen die Weibchen ihr Eipaket noch eine mehr oder weniger lange Zeit mit sich umher. Dabei ragt ein Teil aussen sichtbar hervor, während der andere von den Resten des Legeapparates und der Subgenitalplatte noch festgehalten wird. Die einen legen das Paket im Verlaufe der ersten 24 Stunden nach der Fertigstellung (z.B. Blatta, Periplaneta) an einem bisweilen selbst gegrabenen, sicheren Versteck ab. Andere (z.B. Blattella germanica) behalten die Oothek bis kurz vor dem Schlüpfen der Larven bei sich, lassen sie dann aber achtlos irgendwo fallen. Schliesslich gibt es auch ovovivipare Arten (z.B. Leucophae maderae, Madeira-Schaben). Sie haben meist nur dünnwandige und vereinfachte Ootheken, die normal gebildet, danach aber von den Legeapparatresten wieder in einen besonderen Brutsack zurückgeschoben werden. Die derberen Pakete verbleiben dort bis unmittelbar vor dem Schlüpfen der Larven, während die weichhäutigeren (z.B. Diploptera) von den jungen Larven bereits im Brutsack verlassen werden. Sie kommen dann lebend zur Welt. Bei einer Reihe von Arten erhalten die Larven in diesem Fall während der Entwicklung bis zum Schlüpfen Wasser vom Weibchen, und wenigstens bei Diploptera werden sie vom elterlichen Tier ernährt - hier liegt also ein echter Fall von Viviparie vor.
In der Regel können sich die Eier in zu früh ausgestossenen Ootheken nicht weiterentwickeln. Eine noch weitergehende Pflege der Eier ist nicht üblich. Allerdings sollen die Weibchen einiger lebendgebärender Arten (z.B. Panchlora, Gromphadorina) den dichtgedrängten Jungen unter ihren Flügeln oder dem bucklig gekrümmten Körper Schutz gewähren.
Unter optimalen Temperaturbedingungen, d.h. bei ungefähr 30° C, schlüpfen die jungen Larven (Nymphen) von Periplaneta americana bereits nach 34 bis 38 Tagen. Kurze Zeit vorher öffnet sich die Oothek in der Mittellinie entlang der Zähnchenreihe in einem feinen Spalt, den die herausdrängenden weisslichen Larven später erweitern. Sie zeigen schon im wesentlichen die gleiche Gestalt und die Lebensgewohnheiten wie die Erwachsenen. Doch müssen sie sich noch bis zum Erreichen des Imaginalstadiums je nach Art etwa sechs- bis zwöfmal häuten, wobei sie den erwachsenen Insekten schrittweise ähnlicher werden (Paurometabolie). Für die Jugendentwicklung benötigen Blattella germanica ungefähr 50 Tage, Blatta orientalis 125 bis 165 Tage und Periplaneta americana 160 bis 200 Tage. Der Entwicklungszyklus der Schaben hängt stark von den Umweltbedingungen ab. In ungeheizten Räumen ergeben die im Herbst abgelegten Ootheken der Blatta orientalis erst im Frühjahr die Larven; unter diesen ungünstigen Bedingungen dauert die Entwicklung zwei Jahre. In Laborversuchen hat man festgestellt, dass die Entwicklung bei einer erhöhten Temperatur von 28° C ein Jahr, bei 25° C eineinhalb Jahre dauert. Wichtige Einflussfaktoren sind Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Besiedelungsdichte. Die Imagines leben ungefähr sechs bis zwölf Monate.
Alle Schabenlarven sind in der Lage, abgebrochene Fühler und Beine weitgehend zu regenerieren, während es bei Verletzungen an anderen Körperteilen nur zur Wundheilung kommt. Die Chancen für einen vollständigen Ersatz sind bei jüngeren Larven grösser als bei älteren. Ein Hinterbein, das an der für die Selbstabtrennung (Autotomie) vorgebildeten Stelle zwischen Schenkelring und Schenkel abgelöst wird, kann bei der nächsten Häutung fast gleich gross ersetzt werden. Erfolgt die Abtrennung der Beine jedoch dichter am Körper, so wird erst nach der übernächsten Häutung eine wesentlich kleinere Extremität gebildet.

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Lebensweise

Obgleich Schaben in den meisten Fällen mit gut entwickelten Flügeln ausgestattet sind, nutzen sie ihr allerdimgs begrenztes Flugvermögen nur selten, wohl nur, wenn es sehr heiss ist oder zum Zwecke der Verlängerung eines Sprunges nach unten. Hierbei werden die Deckflügel unabhängig von den flatternden Hinterflügeln deutlich bewegt. Auf diese Weise können sie sich je nach Lage des Absprungortes viele Meter weit selbst in gleicher Höhe halten (z.B. Ectobius lapponicus). Oft verwenden sie aber die Flügel nur, um den Absprung sanft und sicher zu gestalten, indem sie die Flugorgane erst kurz vor der Landung entfalten.
Schaben sind sehr schnell laufenden Insekten - die langen, dünnen Beine ermöglichen dem Tier einen reissend schnellen, flinken, wendigen Lauf. Dies ist auch ihre vorherrschende Fortbewegungsart bei der Periplaneta americana z.B. Spitzengeschwindigkeiten von 74 cm/sek, das entspricht 2,64 km/h, erreicht. Dies und ihr weicher, glatter Körper machen es sehr schwer, sie zu packen und festzuhalten. Daher sind sie auch nicht sehr angenehm anzufassen. Dass sie obendrein noch Nahrungsmittel verderben und einen sehr durchdringenden Geruch verbreiten, sind wohl die Gründe für den Abscheu, mit dem sie (zu Unrecht, wie die Betreiber dieser Seite finden) überall betrachtet werden.
Mit Hilfe der Haftlappen an den Füssen können sie fast mühelos sogar an senkrechten Glaswänden emporklettern. Obgleich die Schaben keine speziellen Sprungbeine besitzen, können sie dennoch kleine Sprünge ausführen. In der charakteristischen Absprungstellung halten sie den Vorderkörper etwas vom Boden abgehoben. Durch plötzliches Strecken der Hinterbeine wird das Tier von der Unterlage wegeschnellt. Beim Sprung strecken die Tiere Fühler, Vorder- und Mittelbeine nach vorn, das letzte Beinpaar jedoch nach hinten. Während der Luftfahrt senkt sich der schwere Vorderkörper stärker und wird mit den vier Vorderbeinen am Boden abgefangen, bevor die Hinterbeine aufsetzen. Fallen Schaben bei einer zu hastigen Bewegung auf den Rücken, so rutschen sie entweder in der Rückenlage so lange umher, bis sie einen greifbaren Gegenstand erreicht haben, an dem sie sich herumziehen können, oder sie bemühen sich durch Schaukelbewegungen, die von den Beinen besonders unterstützt werden, ein Umkippen in die Normallage zu erzielen. Obgleich oder gerade weil sich die Schaben häufig an sehr schmutzigen Orten aufhalten, pflegen sie sich oft zu putzen. Dabei werden die Antennen mit Hilfe der Vorderbeine den Mundwerkzeugen zugeführt und von diesen saubergeleckt. Auf gleiche Weise verläuft auch die Reinigung der Vorder- und Mittelbeine. Diese putzen ihrerseits die Mundteile, den Kopf, Teile des zweiten und dritten Beinpaares und die Unterseite des Vorderkörpers, wobei ihre Bedornung wie eine Bürste wirkt. Der Rest des Körpers, vor allem die Deckflügel und der Hinterleib, wird schliesslich von den Hinterbeinen saubergehalten.
Die Mundwerkzeuge sind nach unten (Orthognathie) oder nach hinten (Hypognatie) gerichtet. Sie entsprechen völlig dem kauenden Grundtyp der Insektenmundteile. Die Schaben sind Allesfresser. Sie finden die Nahrung durch Geruchssinnesorgane, die vornehmlich an den Kiefer- und Lippentastern, aber auch an den übrigen Mundteilen liegen. Bei der Nahrungssuche befinden sich die Taster in ständiger Bewegung und Berührung mit dem Boden und melden sofort das Auffinden von etwas Fressbarem. Aus der Nahrung werden kleine Stücke herausgerissen oder Teilchen ausgeschabt, die dann von den Kauplatten der Mandibeln (Oberkiefer) zerquetscht oder zerrieben werden. Die Schaben nehmen während ihrer gesamten Aktivitätszeit, vorwiegend in den Morgen- und Abendstunden, Nahrung auf. Dabei sind sie sehr unstetig, verharren nur kurze Zeit an einer Stelle und unterbrechen die Nahrungsaufnahme durch zahlreiche Pausen. So kommt es, dass an den Nahrungsbrocken meist viele kleinere Frassspuren ihre Anwesenheit verraten. Es konnte aber auch beobachtet werden, dass mehrere Schaben an einer grösseren Futterquelle nahezu unbeweglich mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt waren.
Eine Reihe tropischer Arten (z.B. Compsagis aus Afrika) ernährt sich von Holz und besitzt wie die Termiten symbiontische Flagellaten im Darm, die ihnen bei der Verdauung des Holzes helfen. Wahrscheinlich stammen die Termiten von schabenartigen Vorfahren ab. Ausserdem kommen in spezialisierten Zellen noch andere Symbionten vor, sogenannte Bakteroiden, die über den ganzen Körper verstreut sind. Vermutlich erhalten die Schaben von den Bakteroiden bestimmte Nährstoffe. Sie können zwar auch ohne diese auskommen, sind dann aber anscheinend nicht so kräftig. Die Bakteroiden werden von den Eltern auf die Nachkommen in den Eiern übertragen.
Diese holzfressenden Spezialisten stammen vermutlich von jenen Arten ab, die nur noch selten an die Oberfläche kommen und sich hauptsächlich in der oberen, lockeren Bodenschicht Gänge graben. Lichtscheu und Feuchtigkeitsliebe sind gewiss auch die Ursache dafür, dass wir einerseits nicht selten Schaben in Höhlen finden, unter denen einige spezielle Anpassungen wie überlange Fühler und rudimentäre Augen aufweisen (z.B. Alluaudellina cavernicola aus Ostafrika), und dass sich andererseits mehrere Arten in Bauen von Ameisen oder Termiten eingenistet haben, wo sie sich von den Abfällen der Wirte ernähren. Es handelt sich um sehr kleine (3 bis 5mm), ovale Arten mit hochgewölbtem, fast oder ganz flügellosem Körper, dessen Anhänge stark verkürzt sind. Somit können die Tiere von den Wirten kaum gepackt werden. Die beispielsweise in den Nestern der amerikanischen Blattschneiderameisen der Gattung Atta lebende Attaphila ernährt sich von den Pilzgärten ihrer Wirte. Für die Weiterverbreitung der Art sorgt sie dadurch, dass sie sich an den Geschlechtstieren ihrer Wirte festklammert, wenn diese zum Hochzeitsflug starten.

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Schädlingsbekämpfung

Die Küchenschabe ist als Allesfresser nicht nur dadurch schädlich, dass sie Nahrungsvorräte wegfrisst, sondern weil sie die Lebensmittel auch beschmutzt und mit einem widerlichen Geruch aus ihren Wehrdrüsen imprägniert. Es ist auch nicht in erster Linie der Frassschaden, der durch die in Wohn- und Arbeitsr&auuml;men auftretenden Arten verursacht wird, der uns zu ihrer Bekämpfung veranlasst, sondern die Verschmutzung der Nahrung, Möbel und Wände durch ihren Kot oder das Hineinfallen von Tieren in irgendwelche Speisen, ganz besonders unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass die Schaben Erreger gefährlicher Krankheiten (wie z.B. Salmonellose [Typhus oder Paratyphus], Lepra, Tuberkulose, Eiterungen und verschiedene Wurmkrankheiten) übertragen können und Zwischenwirte vieler Parasiten sind. Z.B. leben im Darm mancher Schaben Oxyurisarten (Eingeweidewürmer), deren Eier auch auf menschliche Nahrungsmittel und somit auf den Menschen selbst übertragen werden können. Empfindliche Menschen können auf die Ausscheidungen der Schaben mit dem sogenannten "Schabenasthma" reagieren.
Schaben sind nur sehr schwer zu bekämpfen, da sie sich meist in engen Spalten verkriechen. Auch wenn die Imagines vernichtet werden, können an geschützten Stellen die Ootheken überdauern, aus denen dann einige Zeit, nachdem die Schaben anscheinend verschwunden sind, die Larven schlüpfen. Jedoch finden die Tiere auf Grund der heutigen Bauweise und der besseren Raumpflege nicht mehr so leicht Unterschlupf- und Entwicklungsgelegenheiten. Hierdurch und infolge wirksamerer Bekämpfungsmassnahmen kommt es nur noch selten zu derartigen Vermehrungen, dass beim Einschalten des Lichtes die Schaben zu Hunderten im ganzen Raum umherlaufen und unter lautem Rascheln in ihre Schlupfwinkel flüchten, wie es noch Anfang dieses Jahrhunderts üblich war.
Die erfolgreichen Insektizide sind solche, die Gamma-BHC oder Chlordan enthalten. DDT hat sich gegen Schaben nicht besonders bewährt, überhaupt müssen alle Insektizide mit Vorsicht gebraucht werden, da sie ja oft in Räumen gesprüht werden müssen, die Nahrungsmittel enthalten, denn dort halten sich die in Häusern vorkommenden Schaben die meiste Zeit auf.
Die Bekämpfung der Schaben erfolgt durch Sprühmittel, Vernebelungsmittel, Stäubemittel, insektizide Anstriche, oder Streuköder. Hierbei ist zu beachten, dass das Wiederauftreten der Schaben nur durch kontinuierliche und systematische Massnahmen verhindert werden kann. Einmalige Massnahmen bringen in der Regel nur kurzfristigen Erfolg. Wichtig ist auch, den Befall frühzeitig festzustellen, bevor sich die unliebsamen Gäste zu sehr vermehren. Bei Verdacht kann man sich gut einen Eindruck über die Stärke des Befalls verschaffen, in dem man an den bevorzugten Aufenthaltsorten Klebefallen aufstellt.
Weitere Wirkstoffe zur Bekämpfung sind: Borsäure, Bromophos, Carbaryl, Chlordecon, Diazinon, Dichlorvos, Dursban, Fenitrothion, Fenthion, Lindan, Malathion, Piperonylbutoxid, Propoxur, Pyrethrum.
Im Handel erhältlich: z.B. Nexa Lotte® von Celaflor GmbH, Konrad-Adenauer-Str. 30, 55218 Ingelheim am Rhein. Das Unternehmen gehört zur Gruppe Rhône-Poulenc.
Natürlich besteht auch die Möglichkeit, bei starkem Befall eine Firma mit der Bekämpfung zu beauftragen. Eine der renommiertesten Firmen mit entsprechendem Fachpersonal und langjähriger Erfahrung im Bereich der Schädlingsbekämpfung ist wohl RentokilInitial.

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Wir hoffen, dass Sie viel Spass mit dem Lexikon hatten und die gewünschten Informationen hier gefunden haben. Natürlich wird das Lexikon erweitert, sobald neueste Erkenntnisse über unsere kleinen Freunde vorliegen. Auch werden noch weitere Ergänzungen und Begriffserklärungen folgen. Kommentare, Anregungen, Kritik, Wünsche etc. nehmen wir wie immer gerne per e-m@il entgegen: Webmaster